Engelhart Ratgeber: Roman by Jakob Wassermann

(11 User reviews)   4699
By Robert Nguyen Posted on Dec 30, 2025
In Category - Exploration
Wassermann, Jakob, 1873-1934 Wassermann, Jakob, 1873-1934
German
Hey, have you read 'Engelhart Ratgeber'? It's this fascinating early 20th-century German novel about a man who builds his life on a lie. Engelhart is a quiet, unassuming guy who gets hired as a family tutor. The thing is, he's not who he says he is. He's invented his entire background. The book follows what happens as this fragile house of cards he's built starts to wobble. It's less about a big, dramatic crime and more about the quiet, daily anxiety of living a double life. You keep waiting for the other shoe to drop, wondering if he'll get away with it or if the truth will destroy everything. It's a surprisingly modern-feeling story about identity and the masks we wear.
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Engelharts erste Kindheitserinnerung knüpfte sich an eine Feuersbrunst. Die Mutter saß am offenen Fenster, und der Knabe spielte zu ihren Füßen in der Nähe eines Kochtopfes, in dessen Innern sich Überreste von Pflaumenmus befanden. Da wurde Frau Ratgeber durch einen Aufschrei von der Gasse veranlaßt, zum Fenster hinauszuschauen. Neugierig kletterte Engelhart auf einen Stuhl, beugte sich über das Sims und sah, von der Mutter beim Ärmel festgehalten, eine ragende Feuersäule, die fern aus der Tiefe der Straße emporschoß. Nachdem er das Schauspiel mit erstaunten Blicken betrachtet, kehrte er wieder zum Fußboden zurück und benutzte die anderswo hingelenkte Aufmerksamkeit der Mutter, um aus dem Pflaumentopf ein paar Fingerspitzen voll zu naschen. Am folgenden Tag um die Dämmerungszeit nahm er ein kleines Spielhäuschen, begab sich damit und mit Zündhölzern versehen in den abgelegensten Winkel des Hofes, scharrte einen Sandhügel zusammen, trug Späne herbei und machte im Innern seines Gebäudes Feuer an. Die Flammen schlugen jäh aus dem kleinen Tor heraus, die durch rote Farbenflecke angedeuteten Fensterchen begannen zu zerfließen, der ganze Hof lag in lichterlohem Schein. Bald kamen Leute gelaufen, die den Miniaturbrand löschten und den Knaben verprügelten. Im Erdgeschoß des Hauses befand sich eine Gastwirtschaft. Jede Nacht drang der Zecher Lärm herauf, nicht selten kam es zu einer Schlägerei, und ein Gestochener brüllte die schlafenden Bewohner wach. Schlimmer war für Engelhart das allwöchentliche Schweineschlachten. Das Todesgeschrei schnitt ihm furchtbar durch die Brust, seine Phantasie war damit belastet, sein Denken wurde verdunkelt, und wenn das Tier unter dem letzten Messerstich ersterbend wimmerte, schlich Engelhart totenbleich in die Kleiderkammer, riß eine Schranktür auf und steckte den Kopf zwischen die hängenden Gewänder. Es war ein Glück, daß seine Eltern, kurz nachdem er fünf Jahre alt geworden war, in die nahegelegene Theatergasse verzogen. In jenem Sommer heiratete die jüngste von Frau Ratgebers Schwestern. Da die Hochzeit in Karlstadt stattfand, einem uralten Örtchen am Main, reisten Herr und Frau Ratgeber dorthin und nahmen Engelhart mit, während die beiden kleineren Geschwister, die dreijährige Gerda und der kaum ein Jahr alte Abel, unter der Obhut einer treuen Magd zu Hause blieben. Es war ein düster bewölkter Tag. Der Knabe blickte mit dankbarem Gefühl auf den Vater, der, kaum daß die Fahrt begonnen hatte, ein gebratenes Huhn aus der Reisetasche nahm und mit dem ihm eignen seltsam verlegenen Schmunzeln verzehrte. Frau Agathe saß versonnen da, bisweilen warf sie einen flüchtigen Blick auf die Landschaft hinaus. Das Hotel, in dem sie zu später Nacht ankamen, war ein früheres Kloster und hatte weitgewölbte Räume. Engelhart wurde in ein entlegenes Gemach geführt, wo vier Betten standen. Im blassen Kerzenlicht sah er mit verschlafenen Augen drei Mädchengestalten, und man erklärte ihm, daß es seine Cousinen aus Gunzenhausen seien. Die Mädchen flüsterten und lachten, endlich trat die jüngste, die schon im Hemde war, vor ihn hin und sagte, es schicke sich nicht, daß Knaben bei den Mädchen schliefen. Er kroch in einen Mauerwinkel, um sich in Eile zu entkleiden, dann setzte sich Frau Ratgeber zu ihm an den Bettrand, es wurde noch eine Weile hin und her gesprochen, Engelhart sah einen haarumwallten Mädchenkopf, der sich über die Schulter seiner Mutter beugte, und, schon auf der Schwelle des Schlummers taumelnd, starrte er noch einmal in das übermütige Gesicht seiner jüngsten Vetterin. Am andern Tag war die Hochzeit. Während der Trauung hörte man die Braut weinen, es schien, als ahne sie ihr trauriges Schicksal voraus, während der Bräutigam, Herr Peter Salomon Curius, selbstbewußt und höhnisch lächelnd um sich blickte. Die Sache war die, daß es kein Geschöpf auf Gottes Erdboden gab, dem er sich nicht überlegen gefühlt hätte. Als das Hochzeitsmahl zu Ende war, wurde Engelhart...

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Jakob Wassermann's Engelhart Ratgeber is a novel that feels ahead of its time. Published in 1911, it explores the psychology of deception in a way that still resonates today.

The Story

The plot centers on Engelhart, a man who presents himself as a respectable, educated tutor to secure a position with a well-off family. The catch? His name, his past, his qualifications—almost everything about him is a carefully constructed fiction. The story unfolds as he settles into his new role, forming relationships and building a life entirely on this shaky foundation. The tension doesn't come from wild chases, but from the constant, low-grade fear of exposure. Every conversation is a potential trap, and every glance from his employers feels like an interrogation.

Why You Should Read It

What grabbed me was how human Engelhart feels. He's not a master villain; he's often scared, lonely, and trapped by his own creation. Wassermann makes you understand why he started lying, even as you watch the web get more tangled. The book asks big questions about who we are when we shed our past. Is a person just the sum of their experiences, or can they reinvent themselves completely? It’s a slow-burn character study that gets under your skin.

Final Verdict

This is a great pick for readers who enjoy psychological depth over fast-paced action. If you like stories about complex, flawed characters and the quiet drama of inner conflict, you'll find a lot here. It’s also a compelling slice of pre-WWI German literature that shows how concerns about identity and authenticity aren't just modern inventions. Give it a try if you're in the mood for a thoughtful, character-driven novel that sticks with you.



⚖️ Free to Use

This digital edition is based on a public domain text. Preserving history for future generations.

Michelle Rodriguez
1 year ago

To be perfectly clear, the clarity of the writing makes this accessible. I will read more from this author.

David Martin
1 year ago

Recommended.

Betty Smith
7 months ago

Based on the summary, I decided to read it and the content flows smoothly from one chapter to the next. Definitely a 5-star read.

Kevin Thomas
3 months ago

The formatting on this digital edition is flawless.

Amanda Smith
1 year ago

Loved it.

5
5 out of 5 (11 User reviews )

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